Sportwetten: Deutscher Markt im Corona-Jahr 2020 eingebrochen

Boris Raczynski

Sportwetten: Deutscher Markt im Corona-Jahr 2020 eingebrochen

Der Sportwettenmarkt in Deutschland ist im Coronajahr 2020 stark eingebrochen. Das hat der Deutsche Sportwettenverband (DSWV) auf seiner Jahrespressekonferenz am 9. Februar bekannt gegeben. Als Gründe für die Umsatzrückgänge nennt der Verband „ausgefallene Sportereignisse sowie Wettbüroschließungen im Lockdown“.

Der Einbruch des Marktes ließe sich laut DSWV anhand der Sportwettsteuerzahlen des Bundesfinanzministeriums nachvollziehen. „Die Gesamtumsätze lagen bei 7,8 Mrd. Euro und damit rund 16 Prozent unter dem Rekordwert des Jahres 2019 (9,3 Mrd. Euro) – das entspricht abgeführten Sportwettsteuern in Höhe von 389 Mio. Euro (2019: 464 Mio. Euro). Ohne Berücksichtigung der Vorkrisenmonate Januar und Februar fällt der Einbruch noch deutlicher aus (- 20 Prozent).

Sportwetten-Markt im Corona-Jahr 2020 eingebrochen

Erst seit dem wegen der Nachholspieltage besonders sportintensiven Spätsommer würden sich die monatlichen Umsätze wieder auf dem Vorjahresniveau stabilisieren. Doch insbesondere im stationären Sportwettenvertrieb bleibe die wirtschaftliche Lage höchst angespannt, erklärt DSWV-Präsident Mathias Dahms (Foto): „Während des derzeitigen Lockdowns sind bundesweit alle 5.000 bis 6.000 Wettbüros geschlossen oder auf den reduzierten Annahmestellenbetrieb zurückgeworfen.

Die rund 25.000 Mitarbeiter befinden sich überwiegend in Kurzarbeit und fürchten um ihre Arbeitsplätze, die Betreiber um ihre unternehmerische Existenz. Viele halten nicht mehr lange durch, auch weil der Bund den Wettbüros die versprochenen Corona-November-/Dezemberhilfen verwehrt. Wir benötigen von der Politik deshalb schnellstmöglich eine Planungsperspektive, wie ein sicherer Geschäftsbetrieb unter Hygieneauflagen in den kommenden Monaten wieder möglich sein wird.“

Übergangsregelung führen zu Kunden-Abwanderung

Die Krise der in Deutschland regulierten Sportwettenanbieter werde dadurch noch verschärft, dass seit Inkrafttreten der Übergangsregelung für virtuelle Automatenspiele im Oktober 2020 massive Abwanderungsbewegungen der Verbraucher hin zu Schwarzmarktanbietern – meist mit Sitz in Asien oder der Karibik – zu beobachten seien. DSWV-Geschäftsführer Luka Andric berichtete in diesem Zusammenhang von einer Umfrage unter DSWV-Mitgliedern, die einen durchschnittlichen Einbruch im Segment der virtuellen Automatenspiele von 54 Prozent ergeben habe.

Dahms: „Es wird deutlich, dass die strengen Regelungen für virtuelle Automatenspiele den Markt quasi über Nacht wegkanalisiert haben – leider in die falsche Richtung. Es ist unrealistisch zu glauben, dass deutsche Kunden sich mit den überbordenden Restriktionen des Staatsvertrags anfreunden und zu lizenzierten Anbietern zurückkommen werden, solange sie bei Wettbewerbern spielen können, die ihnen wesentlich bessere Konditionen anbieten. Wir benötigen dringend Nachbesserungen an den Regelungen und einen funktionierenden Vollzug gegen illegale Angebote. Ansonsten werden sich etablierte, regulierungswillige Anbieter aus dem deutschen Glücksspielmarkt zurückziehen.“

Verbraucher bevorzugen den unregulierten Markt

Dabei hätte das Jahr 2020 für die Branche im positiven Sinne ein historisches sein sollen. Im Oktober wurde nach jahrelanger politischer und rechtlicher Hängepartie mit der Erteilung bundesweiter Sportwettkonzessionen begonnen. Doch nach der Vergabe von 21 Konzessionen stockt das Verfahren inzwischen wieder; bis zu 40 weitere Konzessionsanträge werden „seit Monaten nicht beschieden“.

Dahms appelliert daher an die Politik: „Statt einen ordentlich regulierten Markt haben wir aktuell Wettbewerbsverzerrungen unerwarteten Ausmaßes: Während die 21 Konzessionsinhaber strenge Lizenzauflagen erfüllen, agieren viele andere Anbieter völlig unbehelligt am Markt. Wir erleben eine massive Abwanderung der Verbraucher in den unregulierten Markt.

Doch das völlig zerstrittene Glücksspielkollegium als Gremium der 16 zuständigen Beamten aus den Landesinnenministerien hält das Antragsverfahren seit Monaten in der Schwebe und fällt keine weiteren Entscheidungen. Wir appellieren daher dringend an die Landesregierungen, diesen unhaltbaren Zustand zu beenden: Alle noch offenen Konzessionsanträge müssen unverzüglich beschieden werden, um faire Marktbedingungen für alle Anbieter herzustellen. Es kann nicht sein, dass derzeit ausgerechnet die lizenzierten Anbieter die Leidtragenden sind.“

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