Online-Casino: Betreiber muss alle Verluste erstatten

Boris Raczynski

Online-Casino: Betreiber muss Spieler alle Verluste erstatten

Online-Casino muss empfindliche Niederlage einstecken: Das Landgericht Gießen hat ein Interner-Casino dazu verurteilt, einem Spieler dessen komplette Verluste zu erstatten. Ein Urteil, das eine Klagewelle gegen Anbieter von unerlaubtem Glücksspiel nach sich ziehen könnte.

Der Glücksspielanbieter, der zu der Firmengruppe Entain gehört, muss dem Spieler laut einem Bericht von Tagesschau die Spielverluste in Höhe von 12.000 Euro zurückzahlen und zudem auch die Prozesskosten tragen. Entain dürfte Spielern in Deutschland vor allem für seine Angebote unter dem Markennamen Bwin ein Begriff sein.

Online-Casino muss Spieler Verluste erstatten

Der Anwalt des betroffenen Spielers hatte angeführt, dass das Online-Casino keine deutsche Glücksspiellizenz vorweisen können. Demzufolge habe es sich um illegales Glücksspiel gehandelt und somit müsse seinem Mandanten das verspielte Geld erstattet werden. Das Gericht folgte der Argumentation. Dass die Firma eine Lizenz in Malta habe, ändere daran nichts. Der Vertrag über die Glücksspiel-Teilnahme sei nichtig, der Spieler habe somit seine Spieleinsätze ohne rechtlichen Grund getätigt.

Der Rückforderung der Spielverluste stehe auch nicht entgegen, dass der Spieler an dem unerlaubten Glücksspiel gar nicht hätte teilnehmen dürfen. Der gültige Glücksspielstaatsvertrag solle Spielteilnehmer vor „suchtfördernden, ruinösen und/oder betrügerischen Erscheinungsformen des Glücksspiel“ schützen.

Gießener Urteil könnte gesamte Branche betreffen

Das Gießener Urteil könnte massive Auswirkungen auf die gesamte Branche der Online-Casino-Anbieter haben. Andere Gerichte könnten sich der Auffassung der Richter in Gießen anschließen, was zu einer Klagewelle führen könnte. Die Glücksspielaufsichten der Länder schätzen, dass Spieler in Deutschland in den vergangenen Jahren in Online-Casinos ohne Lizenz Milliarden-Beträge ausgegeben haben.

Mit dem Argument des Gießener Gerichts wären diese Verluste alle einklagbar. Der Spieler, der namentlich nicht genannt werden möchte, hatte in dem Online-Casino im Jahr 2017 vor allem Roulette gespielt. Vor Gericht gab der Mann an, spielsüchtig zu sein. Sein Anwalt, Patrick Redell erklärte, das Urteil sei „ein Meilenstein“. Es sei in diesem Kontext bundesweit das erste Urteil, nach einer mündlichen Verhandlung, bei der sämtliche offenen Rechtsfragen erörtert worden seien.

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