Glücksspielvertrag: Spielerschutz und Suchtprävention

Boris Raczynski

Glücksspielstaatsvertrag: Kritik an Spielerschutz und Suchtprävention

Glücksspielstaatsvertrag muss Kritik einstecken: Experten und Forscher sehen zahlreiche Mängel bei Spielerschutz und Suchtprävention. Das Internet kommt mit Anonymität und einem Defizit sozialer Kontrolle daher, für notorische Spieler ein Paradies. „Mit Online-Glücksspielen gehen besondere Suchtgefahren einher“, warnt Tobias Hayer.

Mit der Kritik steht er nicht allein auf weiter Flur, denn was bisher offiziell nur in Schleswig-Holstein möglich war, wird mit Inkrafttreten des Glücksspielstaatsvertrags zum 1. Juli 2021 in ganz Deutschland Realität sein. Dann werden alle möglichen Formen des Online-Glücksspiels legal verfügbar sein.

Glücksspielstaatsvertrag erntet viel Kritik

Der Psychologe und Glücksspielforscher Tobias Hayer von der Universität Bremen betrachtet die Entwicklung mit Sorge: „Die Öffnung des Online-Glücksspielmarktes ist eine Art Dammbruch“, sagt er. Denn dadurch würden nicht nur die Spielanreize und damit die Suchtgefahr erhöht, es werde auch eine Wettbewerbssituation geschaffen.

„Es wird zahlreiche Privatanbieter geben, die sich um Kundinnen und Kunden quasi prügeln werden, und dieser Aufschaukelungsprozess nach dem Prinzip ‚schneller, höher, weiter‘ lässt aus meiner Sicht kaum Raum für Spielerschutz und Suchtprävention.“ Besonders bei Online-Glücksspielen sei die Suchtgefahr hoch, warnt Hayer laut einem Bericht von Deutschlandfunk Kultur.

Experten und Forscher mit Vertrag unzufrieden

„24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche können Sie zocken. Keine soziale Kontrolle, Sie zocken im anonymen Raum, von zu Hause aus, am Arbeitsplatz, in der U-Bahn, wo auch immer Sie ein mobilfähiges Endgerät haben.“ Der Glücksspielstaatsvertrag sehe zwar Schutzmaßnahmen vor, der Psychologe ist allerdings skeptisch, ob diese in der Praxis auch wirklich funktionieren werden.

Etwa die sogenannte „Limitdatei“, die sicherstellen soll, dass jemand maximal 1000 Euro im Monat in Online-Glücksspiele einzahlen kann: „Diesen Betrag halte ich für viel zu hoch“, sagt Hayer. „Überlegen Sie mal: Geben Sie 1000 Euro im Monat für Alkohol oder Nikotin aus? Wahrscheinlich nicht.“

Kritik an Spielerschutz und Suchtprävention

Ein Früherkennungssystem soll laut Glücksspielvertrag ebenfalls implementiert werden. „Das gesamte Spielverhalten wird dokumentiert“. Allerdings kann jeder Anbieter ein eigenes System einsetzen, womit nur ein Ausschnitt des gesamten Spielverhaltens dokumentiert wird. Einen einheitlichen Standard gibt es nicht. Hinzu kommt, dass Anbieter dieses Dokumentationssystem auch dazu nutzen können, um beispielsweise gezielt Werbung zu schalten.

Menschen, die feststellten, dass ihr Glückspielkonsum problematische Züge annimmt, rät Hayer: „Nehmen Sie professionelle Hilfe in Anspruch.“ Suchtberatungsstellen etwa oder Suchtfachkliniken. „Aber wir haben auch internetgestützte Hilfen, Onlineberatung, Telefon-Helplines, selbst Angebote für Migrantinnen und Migranten in anderen Sprachen.“

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